Interview-Buch mit Bischof Athanasius Schneider auf Deutsch erschienen

Buchdeckel von „Christus Vincit“
Buchdeckel von „Christus Vincit“ (Foto: fe-Medienverlag)

Der bekannte Weihbischof spricht ausführlich über seine Herkunft, die schwerwiegenden Probleme in der Kirche, und den „Triumph Christi über die Finsternis dieser Zeit“.

Kißlegg (kathecho.de) – Es ist in der 2000-jährigen Geschichte der Kirche vielleicht noch nie vorgekommen, dass ein Weihbischof eines unbekannten Bistums in einem kaum christlich geprägten Land in Zentralasien von Katholiken auf der ganzen Welt als vorbildliche katholische Führungspersönlichkeit geschätzt wird. Die Rede ist natürlich von Athanasius Schneider ORC, der als Weihbischof im Erzbistum der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana wirkt. Nun liegt das Interview-Buch „Christus Vincit. Der Triumph Christi über die Finsternis dieser Zeit“, das 2019 von Bischof Schneider und der Journalistin Diane Montagna auf Englisch veröffentlicht wurde, auch in deutscher Sprache vor – dem fe-Medienverlag sei Dank!

Die unglaubliche Geschichte des Weihbischofs beginnt schon bei seinen Vorfahren. Aus Deutschland stammend, waren sie nach Osten ausgewandert, wo sie Teil der sogenannten Schwarzmeerdeutschen waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung auf Arbeitslager in der Sowjetunion verteilt. In der Kälte starben zahlreiche Menschen. Bischof Schneider erzählt: „Wenn sie morgens durch den Schnee zu ihrer Arbeit gingen, fingen die deutschen Katholiken laut an den Rosenkranz zu beten – und die Lutheraner schlossen sich ihnen an. Die Lutheraner beteten mit, denn wenn der Tod so gegenwärtig ist, rufen sogar Lutheraner Unsere Liebe Frau an. Meine Mutter wurde in ein deutsches Getto gebracht, wo sie bleiben mussten und kontrolliert wurden. Es gab keine freie Bewegung. Sie mussten in Baracken leben, ganze Familien; sie hatten keine Betten und mussten auf dem Boden schlafen.“

Priester kamen nur selten vorbei – und immer heimlich. Geboren in Kirgisistan, wurde Schneider von seiner Mutter getauft. „Um mich zu taufen, nahm meine Mutter ein Gebetbuch, in dem die Taufformel enthalten war, und Wasser. Ich war eine Woche alt und mein Vater war auch dabei. Sie sprach die Worte, während sie das Wasser über mich goss, und als sie fertig war, schaute sie meinen Vater an und fragte: ‚Habe ich das richtig gemacht?‘ Und mein Vater sagte: ‚Ich weiß es nicht.‘ Und dann sagte sie: ‚Tja, dann muss ich es wiederholen.‘ Und sie wiederholte die gesamte Zeremonie. Sie goss noch einmal Wasser über mich, während sie die Worte sprach, und dann hatte sie das beruhigende Gefühl, dass alles richtig gemacht war.“ Später kam doch ein Priester, der die Taufzeremonie erneut vornahm, um sicherzustellen, dass alles seine Ordnung hatte.

Von Kirgisistan ging es für die Familie Schneider nach Estland und später nach Deutschland. Während der Glaube trotz der kommunistischen Verfolgung unter den Katholiken der Sowjetunion stark war, erlebte der spätere Weihbischof in Deutschland einen Kulturschock. Der größte Schock war sicherlich der Empfang der Heiligen Kommunion in die Hand anstatt auf die Zunge: „Am ersten Sonntag nach unserer Ankunft in Deutschland empfingen wir also die heilige Kommunion nicht und konnten beobachten, wie die Kommunion ausgeteilt wurde. Es war schrecklich für uns: Fast alle Leute empfingen die Kommunion in die Hand. Und sie wurde schnell ausgeteilt – die Leute standen Schlange, wie in einer Cafeteria.“

Schneider blieb der katholischen Tradition treu und trat nach seiner Schulzeit bei den Regularkanonikern vom Heiligen Kreuz ein. Sein Noviziat verbrachte er in Portugal. Zum Studium ging es zunächst nach Rom, dann nach Brasilien, wo er auch zum Priester geweiht wurde. Schneider wurde dann wieder in die Ewige Stadt geschickt, um dort zu promovieren. Von dort ging es nach Karaganda in Kasachstan, wo er als Seelsorger wirkte um im Priesterseminar lehrte. 2006 wurde er von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in Karaganda ernannt. 2011 wurde er als Weihbischof nach Astana (heute: Nur-Sultan) versetzt.

Bekannt ist Schneider für seine Verteidigung des katholischen Glaubens, die auch vor Kritik an Bischöfen, Kardinälen und Papst Franziskus nicht zurückschreckt. Dabei wird stets deutlich, dass es ihm nicht um die Kritik an sich geht, und auch nicht um die kritisierten Personen, sondern vor allem darum, den Glauben rein zu bewahren, gerade für die einfachen Gläubigen.

In „Christus Vincit“ spricht Schneider offen über problematische Stellen in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils, darunter zur Religionsfreiheit. So sagt er: „Der Text von Dignitatis Humanae sagt, dass die Freiheit, eine Religion zu wählen, ein Recht ist, das in der Natur der menschlichen Person begründet ist […], innerhalb der gebührenden Grenzen, falls eine Gefahr für die öffentliche Ordnung davon ausgeht.“ Für Schneider gilt aber: „Allerdings hat der Mensch nicht von Natur aus das Recht, eine Sünde zu begehen oder sich einen Irrtum anzueignen. Es gibt kein natürliches Recht, Gott zu beleidigen und zu schmähen, und eine götzendienerische Religion und jede falsche Religion ist eine Schmähung Gottes.“ Gleichzeitig gelte es aber, Toleranz zu üben, wie auch andere Sünden und Irrtümer toleriert würden.

Mit Präzision betont der Weihbischof, dass auch Angehörige falscher Religionen, etwa des Islam, Gott wohlgefällig sein können, insofern sie einen natürlichen Akt der Gottesanbetung vollziehen. Dadurch wird nicht der Islam ein Heilmittel, aber der einzelne Muslim, der womöglich vom Christentum noch nie etwas gehört hat, betet den wahren Gott an, den er mit seiner Vernunft erkannt hat: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass einige Angehörige anderer Religionen – beispielsweise einfache Muslime, die in der Moschee beten – in ihrer Seele entsprechend ihrer natürlichen Erkenntnis den einen wahren Gott anbeten. In diesem äußerlichen Ritual betet er vielleicht tatsächlich Gott wahrhaft an, allerdings dann nicht wegen dieses Rituals, sondern weil er in seiner Seele, entsprechend seiner Vernunft, Gott erkennt und verehrt.“

Auch in Sachen Liturgie findet Schneider deutliche Worte. Anders als viele Traditionalisten befürwortet er allerdings keine abrupte Abschaffung der nachkonziliaren Liturgie, auch wenn er viele Kritikpunkte auflistet – besonders die Art und Weise des Kommunionempfangs sowie die Gebetsrichtung. „Wir müssen die beständige überlieferte Form der Messe Schritt für Schritt, auf ganz organische Weise wiederherstellen“, so Schneider. „Wir dürfen nicht einen weiteren Bruch vollziehen, sondern müssen behutsam vorgehen.“ Er betont: „Ja, ich glaube, dass es beide Formen der Messe noch für eine geraume Zeit nebeneinander geben wird. Die neue Messe wird sich im Lauf der Zeit in organischen Schritten immer stärker der alten Messe annähern, sie wird nicht völlig identisch werden, aber ihr doch sehr nahekommen.“

Der Leser des fast 500 Seiten starken Interview-Buchs begegnet einem tief frommen und in seinen Äußerungen kristallklaren Bischof, wie man sich ihn für jedes Bistum wünscht. Trotz vieler Probleme in der Kirche hat Schneider Hoffnung, was ihre Zukunft betrifft: „Aufgrund der Gnade der göttlichen Vorsehung, die niemals scheitert, können wir Zeichen eines echten Frühlings beobachten. Wir sehen viele kleine geistliche Schneeglöckchen: Das sind die Kleinen in der Kirche, jene, die nicht zur Verwaltungs- und Machtstruktur der kirchlichen ‚Nomenklatura‘ gehören. Diese geistlichen Schneeglöckchen sind Kinder, unschuldige Jungen und Mädchen, keusche junge Männer und Frauen, echte katholische Eheleute, Familienväter und -mütter, alleinlebende Personen, Witwen, Mönche, kontemplative Nonnen, die geistlichen ‚Perlen‘ der Kirche – und auch einfache Priester, die wegen ihrer Glaubenstreue häufig ausgegrenzt und gedemütigt werden. Und es gibt Laien und Mitglieder des Klerus, die inmitten des Schlachtfelds mutig Christus, die Wahrheit, verteidigen und dabei ihren persönlichen zeitlichen Vorteil aufs Spiel setzen.“

Bibliografische Informationen:

Schneider, Athanasius / Montagna, Diane
Christus Vincit
Der Triumph Christi über die Finsternis dieser Zeit
fe-Medienverlag
464 Seiten
ISBN: 978-3-86357-269-3
19,80 Euro


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