Schlüsselfigur beim Synodalen Weg an Unfallfolgen gestorben

Eberhard Schockenhoff
Eberhard Schockenhoff (Foto: Sandra Meyndt | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff hatte sich für massive Änderungen der katholischen Sexualmoral eingesetzt, etwa im Bereich von Verhütung, Selbstbefriedigung und Homosexualität.

Freiburg (kathecho.de) – Der Freiburger Priester und Professor für Moraltheologie Eberhard Schockenhoff ist gestern im Alter von nur 67 Jahren an den Folgen eines Unfalls gestorben. Als eine der Schlüsselfiguren beim Synodalen Weg der Kirche in Deutschland war Schockenhoff teil des Vorbereitungs- und Synodalforums zum Thema Sexualmoral. Im Widerspruch zur Lehre der Kirche warb das entsprechende Arbeitspapier des Vorbereitungsforums unter dem Titel „Zur Weiterentwicklung katholischer Sexuallehre“ dafür, Verhütung, Selbstbefriedigung und praktizierte Homosexualität positiv zu bewerten. Das Dokument dient als Diskussionsgrundlage für die Synodalversammlungen, von denen bislang Anfang des Jahres lediglich die erste von vier stattgefunden hat.

Das Arbeitspapier argumentiert, nicht jeder Geschlechtsakt müsse „zeugungsoffen bleiben“, und verweist stattdessen auf den „ Grundsatz der verantworteten Elternschaft“, der „um das Element der Familienplanung durch die freie Wahl eines der jeweiligen Lebenssituation angemessenen Mittels der Empfängnisregelung erweitert“ werden müsse. „Familienplanung auch mithilfe künstlicher Mittel der Empfängnisregelung stellt keinen lebensfeindlichen Akt dar, sondern unterstützt das Recht eines Paares, gemeinsam ein verantwortliches Urteil über die Zahl der Kinder, die Abstände zwischen den Geburten und das konkrete Mittel der Familienplanung zu fällen“, heißt es weiter.

Papst Johannes Paul II. hatte indes in seinem Apostolischen Schreiben Familiaris Consortio gelehrt: „Während die geschlechtliche Vereinigung ihrer ganzen Natur nach ein vorbehaltloses gegenseitiges Sichschenken der Gatten zum Ausdruck bringt, wird sie durch die Empfängnisverhütung zu einer objektiv widersprüchlichen Gebärde, zu einem Sich-nicht-ganz-Schenken. So kommt zur aktiven Zurückweisung der Offenheit für das Leben auch eine Verfälschung der inneren Wahrheit ehelicher Liebe, die ja zur Hingabe in personaler Ganzheit berufen ist.“ Diese Stelle wurde später auch vom Katechismus der Katholischen Kirche übernommen.

Im Arbeitspapier zum Synodalen Weg wurde zudem wurde „das lustvolle Erleben des eigenen Körpers (self sex)“ so dargestellt, als handle es sich um „einen verantwortlichen Umgang mit der eigenen Sexualität“. Der Katechismus allerdings stellt fest, unter Bezugnahme auf eine Erklärung der Glaubenskongregation: „‚Tatsache ist, daß sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleichbleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken‘, weil ‚der frei gewollte Gebrauch der Geschlechtskraft, aus welchem Motiv er auch immer geschieht, außerhalb der normalen ehelichen Beziehungen seiner Zielsetzung wesentlich widerspricht‘. Der um ihrer selbst willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt ‚die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehung, jene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert‘.“

Schließlich werden im Rahmen des Synodalen Wegs auch „gleichgeschlechtliche Handlungen“ positiv bewertet, da sie, so die Behauptung „positive Sinnwerte“ verwirklichen, „insofern sie ein Ausdruck von Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue und Hilfestellung im Leben sind“. Laut Katechismus ist praktizierte Homosexualität hingegen nicht mit dem katholischen Glauben vereinbar: „Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, ‚daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind‘. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.“

Verantwortlich für die Arbeit des Vorbereitungsforums zum Thema Sexualmoral war der Limburger Bischof Georg Bätzing, der im März zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt wurde. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) schrieb, Bätzing habe „am Sonntag Schockenhoffs ‚visionäre Kraft in seinem theologischen Forschen und Reden ebenso wie seine bemerkenswerte analytische Brillanz‘“ betont. Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Mitglied im vierköpfigen Satzungspräsidium des Synodalen Wegs, brachte „hohe Wertschätzung und tief empfundenen Dank“ zum Ausdruck.

Der Synodale Weg war im Frühjahr 2019 beschlossen worden, nachdem Eberhard Schockenhoff und andere Theologen bei einem Studientag der DBK-Vollversammlung im niedersächsischen Lingen zu verschiedenen Themen referiert hatten. Das Arbeitspapier des Vorbereitungsforums nahm ausdrücklich Bezug auf den Vortrag des Moraltheologen. Dieser hatte vor den deutschen Bischöfen in Lingen zugegeben, dass der Mangel an Glaubwürdigkeit, den „die Kirche durch das sexuelle Fehlverhalten vieler Kleriker“ erfahren habe, „nicht der eigentliche Grund dafür [ist], warum zentrale Aussagen der kirchlichen Sexuallehre bei vielen Menschen heute auf Gleichgültigkeit oder offene Ablehnung stoßen. Die aktuelle Krise stellt aber einen dringlichen Anlass dar, über die Gründe nachzudenken, die eine Revision zentraler Aussagen dieser Lehre geboten erscheinen lassen.“

Der Moraltheologe sagte zudem, Papst Johannes Paul II. habe eine „steile Behauptung“ vertreten, als er 1988 erklärte, die kirchliche Sexuallehre sei keine „vom Menschen erfundene Lehre: Sie ist vielmehr von der Schöpferhand Gottes in die Natur der menschlichen Person eingeschrieben und von ihm in der Offenbarung bekräftigt worden“. Das kirchliche Lehramt, so Schockenhoff, könne „sich die Abhängigkeit ihrer Sexuallehre von historischen Fehlentwicklungen“ nicht eingestehen. Er forderte, den traditionellen moraltheologischen Grundsatz aufzugeben, wonach eine Handlung nur dann gut ist, wenn sie in jeglicher Hinsicht gut ist, aber schlecht, sobald ein einziger Mangel vorliegt. Schockenhoff erläuterte: „Im Unterschied dazu geht die gegenwärtige Sexualethik davon aus, dass eine verantwortliche Gestaltung menschlicher Sexualität zwar die Integration aller Sinnwerte in das eigene Sexualverhalten fordert, einzelne sexuelle Handlungen aber auch dann bejahenswürdig bleiben, wenn sie nicht alle Faktoren zugleich realisieren.“ Entsprechend wolle er die katholische Lehre „aus den normativen Fesseln der traditionellen Sexualmoral“ befreien.“


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