Augsburger Bischof: Petrus Canisius Vorbild für Neuevangelisierung

Bischof Bertram Meier
Bischof Bertram Meier (Foto: © Pressestelle Bistum Augsburg | Nicolas Schnall)

Bischof Bertram Meier verglich die desolate Situation im Deutschland nach der Reformation mit der heutigen Zeit.

Augsburg (kathecho.de) – Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat den heiligen Petrus Canisius als Vorbild für die Neuevangelisierung in Deutschland präsentiert und die Situation im nachreformatorischen Deutschland mit der heutigen Zeit verglichen. Der im Juni geweihte Bischof zitierte am Sonntag bei seiner letzten Predigt als offizieller Domprediger im Augsburger Dom zunächst ausführlich den Heiligen, der vor mehr als 400 Jahren gestorben ist: „Allgemein gesprochen möchte ich sagen, dass man unter den heutigen Deutschen vergebens nach praktischem Interesse an der Religion sucht. Der Gottesdienst der Katholiken ist so ziemlich auf das Halten einer ohne alle Begeisterung vorgetragenen Predigt an Festtagen beschränkt.“ Auch das Fasten werde nicht mehr praktiziert. Der Kirchenbesuch sei ebenso schwach wie andere äußere Zeichen der katholischen Bevölkerung für ihren Glauben. „Die Lage ist danach, einen, der sie ernstlich erwägt, das Herz still stehen zu lassen“, führte Meier das Zitat fort. Der Protestantismus könne „weder durch Gewalt noch durch Reform überwunden werden, und wir sind beim besten Willen machtlos, den verloren gegangenen Glauben wiederherzustellen, weil es zu wenig Priester gibt oder in Wahrheit keine“.

„Mut zur Katechese“

Nachdem er den Zustand der deutschen Kirche nach der Reformation mit den Worten des Heiligen beschrieben hatte, sagte Meier: „Petrus Canisius bleibt auch insofern aktuell, weil er uns Mut macht zur Glaubensunterweisung.“ Zwar könne man den als zweiten Apostel Deutschlands verehrten Heiligen heute nicht einfach kopieren. „Aber sein Ansatz ist klar: Er hat die altkirchliche Katechese wieder entdeckt. Da geht es nicht um rein intellektuell-informative Belehrung, sondern um Aneignung: das Hineinwachsen in die aktive Teilnahme am Leben der Kirche.“ Der einfache „Katechismusglaube“ sei „heute eher negativ besetzt, weil man ihm nachsagt, dass er zu wenig personal und emotional sei. Doch Inhalt und Form gehören zusammen, Glaubensvollzug braucht auch Glaubensinhalt.“

„Petrus Canisius ging es um die Substanz“, fuhr Meier fort. „Mit dem Aufbau der großen Kollegien, dem Schreiben von Katechismen – Handbüchern des Glaubens für verschiedene Leserschaften –, dem liebevollen Kultivieren traditioneller Frömmigkeitsformen und nicht zuletzt durch die persönliche Begleitung suchender Menschen in den Exerzitien ist es ihm und seinen Mitstreitern gelungen, die katholische Kirche aus der Defensive herauszuführen und für sie eine neue Blüte vorzubereiten.“ Auch in unserer Zeit sehe er positive Enwicklungen, sagte der Bischof. Er verwies auf den Wunsch nach Priesterseminaren und Internaten, auf den von Papst Johannes Paul II. herausgegeben Katechismus der Katholischen Kirche, die von den Päpsten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil angeregte und geförderte Neuevangelisierung, sowie auf eine neue Beliebtheit von Prozessionen, Wallfahrten und Exerzitien.

„Mut zur Wahrheit“

Neben dem „Mut zur Katechese“ sprach der Augsburger Oberhirte auch über den „Mut zur Wahrheit“ des Petrus Canisius. Es sei dem Heiligen „nicht um seinen Namen, um seine Lehre, um seinen Ansatz“ gegangen, „sondern darum, in einer unübersichtlichen Zeit der Verunsicherung die Menschen im Glauben zu festigen: ‚So will ich denn in mir und anderen einen größeren Eifer erwecken, dass das katholische Glaubensdepositum, das der Apostel uns nicht grundlos ans Herz legt und das allen Schätzen dieser Welt vorzuziehen ist, hochgeschätzt und unverkürzt und unverfälscht bewahrt werde, da von ihm christliche Weisheit, allgemeiner Friede und Heil der Menschen zutiefst abhängig sind.‘“

In diesem Zusammenhang forderte Meier die Theologen auf, „nicht in kritischer Distanz zur Kirche“ zu wirken, sondern stattdessen „als deren Glied in ihrer Mitte“. Der Bischof erklärte: „Nur wenn sein Suchen und Fragen, sein Forschen und Schreiben fest im Leben der Kirche verankert sind, taugt der Theologe als authentischer Gesprächspartner für Andersdenkende und Andersgläubige. Dem Petrus Canisius ist dies gelungen: Verwurzelt in der Tradition der Kirche, eingespannt in die Zerreißproben seiner Zeit […], blieb er seinem Grundsatz treu, auf überspitzte Polemik zu verzichten, Polarisationen nicht weiter zu schüren und sich darauf zu konzentrieren, die katholische Lehre sachlich darzulegen, ohne die Gegner auch nur zu nennen, geschweige denn sie öffentlich anzugreifen.“ Neben der Verteidigung und Verkündigung der Wahrheit habe für den zweiten Apostel Deutschlands besonders die Wahrhaftigkeit gezählt, die sich in der Glaubwürdigkeit des Lebenswandels ausdrücke.

„Mut zur Kirche“

In seiner Predigt erwähnte Meier zudem den „Mut zur Kirche“ des Heiligen, der „kirchlich und römisch bis in die Knochen, nein bis ins Herz“ gewesen sei. „In seinem Herzen lebte die Kirche. Er verstand sich als Werkzeug des Herrn. Dabei war er weder mechanische Marionette noch nachplappernder Papagei, sondern ein lebendiges Werkzeug, ein Instrument mit Leib und Seele; mit Haut und Haar hat er sich der Kirche verschrieben.“ Die Treue zur Kirche schließe nicht aus, „mit und an der Kirche und deren Schwächen“ zu leiden, doch habe er trotz allem nicht an ihr herumgemeckert.


Warning: sprintf(): Too few arguments in /var/www/web29648828/html/wp-content/themes/mh-newsdesk-lite/comments.php on line 39

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*