Mehr Kirchenaustritte als je zuvor, aber trotzdem Rekordeinnahmen bei Kirchensteuer

Cover der Broschüre „Katholische Kirche in Deutschland“
Cover der Broschüre „Katholische Kirche in Deutschland“ (Foto: Screenshot | DBK)

Einnahmen von fast 6,8 Milliarden Euro standen im Jahr 2019 mehr als eine Viertelmillion Kirchenaustritte gegenüber.

Bonn (kathecho.de) – Die Kirche in Deutschland zeigt sich weiterhin finanzstark und konnte im vergangenen Jahr mithilfe der Kirchensteuer mehr Geld als je zuvor einnehmen. Insgesamt 6,67 Milliarden Euro gingen an die Bistümer. Gleichzeitig trat aber auch eine Rekordzahl von Katholiken aus der Kirche aus: mehr als 272.000 Menschen kehrten der Kirche den Rücken. Im Vorwort der heute von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) veröffentlichten Arbeitshilfe mit dem Titel „Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2019/20“ schrieb der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing: „An der Kirchenstatistik gibt es nichts schönzureden. Erneut müssen wir einen Rückgang beim Empfang der Sakramente feststellen. Der Prozess der Erosion persönlicher Kirchenbindung ist hier besonders sichtbar. Natürlich sind die Rückgänge auch demographisch bedingt, sie zeigen aber zunächst einmal die Tatsache, dass wir trotz unseres konkreten pastoralen und sozialen Handelns eine Vielzahl von Menschen nicht mehr für das kirchliche Leben motivieren. Besonders belastend empfinde ich die sehr hohe Zahl von Kirchenaustritten. Wir bedauern jeden Kirchenaustritt und wir laden jeden, der gegangen ist oder gehen will, ein, mit uns zu sprechen.“

Bätzing kommentierte die Kirchensteuereinnahmen nicht näher. Im Begleittext zur entsprechenden Statistik heißt es aber, man habe wegen der guten Wirtschaftslage sowie der hohen Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mehr eingenommen als in den vergangenen Jahren. „Die Finanzkraft der (Erz-)Bistümer wird jedoch nach den Ergebnissen einer Langfristprojektion über die Mitglieder- und Kirchensteuerentwicklung bis zum Jahr 2060 erheblich zurückgehen“, warnte die DBK. „Die Studie rechnet für die katholische Kirche insgesamt mit einem Rückgang der Kaufkraft von 51 Prozent bis zum Jahr 2060.“ Umgerechnet auf die Zahl der praktizierenden Katholiken, als die man die offiziell gezählten 2,07 Millionen Gottesdienstbesucher bezeichnen kann, nahm die katholische Kirche in Deutschland pro Kopf mehr als 3.200 Euro ein. In Wirklichkeit zahlen natürlich auch viele Menschen Kirchensteuer, die nur nominell katholisch sind, den Glauben aber nicht praktizieren.

In einem kurzen Beitrag zur Corona-Pandemie stellte DBK-Sekretär P. Hans Langendörfer SJ in der Arbeitshilfe fest, es habe „symbolträchtige Erfahrungen“ gegeben, „die daran zweifeln ließen, ob der religiöse Glaube als ‚systemrelevant‘ gilt, was zu sein seinem Selbstverständnis entspricht. Die Vergleiche zwischen geöffneten Supermärkten und geschlossenen Kirchen sind diesbezüglich schon der Klassiker.“ Langendörfer fragte, wem man vertrauen dürfe, und führte aus: „Der Gläubige wird diesbezüglich im Letzten eine religiöse Antwort geben: Gott. Wer innerweltlich – global, regional, örtlich und bestimmten Kompetenzen zugeordnet – Vertrauen verdient, bleibt eine nur punktuell beantwortete Frage. Eine bleibend umstrittene, wie nicht nur Menschen beweisen, die an eine Weltverschwörung glauben. Ich hoffe, dass im lebensweltlichen Raum die Kirche, die großen und kleinen Mitwirkenden, Seelsorger und Seelsorgerinnen, Dienstleister, Freiwilligen und Ehrenamtler vielfach zu denen gehören, denen man vertraut.“

Im Hinblick auf die zahlreichen kirchlichen Hilfswerke zeigten sich die deutschen Katholiken auch 2019 spendabel. Misereor, zuständig für die „Entwicklungszusammenarbeit in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien“, wurde am stärksten unterstützt. Mehr als 232 Millionen Euro, bestehend hauptsächlich aus Spenden und Kollekten, wurden im vergangenen Jahr gesammelt. Die Caritas meldete mehr als 84 Millionen Euro für Not- und Katastrophenhilfe, und sowohl die Sternsinger als auch missio konnten jeweils weit mehr als 70 Millionen Euro für ihre Projekte verbuchen. Adveniat sammelte etwas weniger als 50 Millionen Euro, Renovabis knapp über 35 Millionen. Schlusslicht ist das Bonifatiuswerk für die Förderung der Diaspora-Seelsorge mit unter 25 Millionen Euro.


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