Ruhe, Entspannung, Rekreation, Erneuerung

Symbolbild: Hotel
Symbolbild: Hotel (Foto: Unsplash)

Dr. Michael Pakaluk, der Philosophie an der Catholic University of America lehrt, geht der Frage nach, was Urlaub aus katholischer Sicht bedeutet.

Washington, D.C. (kathecho.de / The Catholic Thing) – Gibt es eine katholische Herangehensweise an die Sommerferien? Kann ein Urlaub geheiligt werden? Wenn ja, was bedeutet das, und was würde es für den Rest des Jahres bedeuten?

Nehmen wir an, dass dieses Thema, nicht zuletzt wegen seines Zusammenhangs mit dem Sonntag, ganz oben auf die Liste der wichtigsten Themen gesetzt werden sollte. Das Wort „Urlaub“ ist im Katechismus nirgends zu finden, aber „Ruhe“ wird häufig erwähnt, immer in Verbindung mit dem Tag des Herrn: „Die Einsetzung des Tages des Herrn trägt dazu bei, daß alle über genügend Zeit der Ruhe und der Muße verfügen, um ihr familiäres, kulturelles, gesellschaftliches und religiöses Leben zu pflegen.“ (KKK 2184)

In der Tat erinnert uns der Katechismus daran, dass das erste Gebot der Kirche lautet: „Du sollst am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen an der Messe teilnehmen und keine Arbeiten und Tätigkeiten verrichten, welche die Heiligung dieser Tage gefährden.“ Wenn wir Schwierigkeiten mit der Teilnahme an der Messe haben, sei es aus äußeren Gründen oder durch eigene Schuld, haben wir wahrscheinlich auch Schwierigkeiten mit der „Ruhe“ eines Christen, die nicht etwas Negatives ist, sondern eine positive Orientierung auf die Güter von Familie, Kultur, Gemeinschaft und Religion. Sollten wir erwarten, dass jemand, der den wöchentlichen Ruhetag nicht richtig lebt, dies bei seiner jährlichen Ruhezeit tun würde?

Vielleicht hat Corona die Dinge verständlicher für uns gemacht. Wenn der Gottesdienstbesuch unmöglich ist, möchten wir vielleicht, dass andere Formen der Feier des Tages des Herrn angemessene Bedeutung erlangen. Und doch können wir sehen und spüren, dass sie nicht von selbst gedeihen – dass sie ihre Bedeutung gerade als Frucht und Segen des Gottesdienstes erhalten.

Urlaub [engl. vacation] meint eine Zeit, die leer (vakant) gemacht wird. Wovon? Von Ansprüchen auf unsere Zeit, die sich auf die Beschaffung der Lebensnotwendigkeiten beziehen, was in einer einfacheren Zeit Nahrung, Kleidung und Unterkunft bedeutete. Kurz gesagt, ein Urlaub ist Freizeit. Wie Zeit zum Gebet, so wird auch Muße gemacht, nicht gefunden. Je größer unsere Bedürfnisse oder gefühlten Notwendigkeiten sind, desto schwieriger ist es, Zeit für [Gebet und Muße] zu finden, aber desto wichtiger ist es auch, dies zu tun.

Josef Pieper ist dafür gelobt worden, dass er die Frage der Muße als ein tiefes philosophisches Thema wiederbelebt hat. Er hat sie wiederbelebt, weil es schon in der Ethik des Aristoteles letztlich darum ging, wie man die Freizeit nutzen kann. Für die Alten war es eine Prüfung des Charakters eines Menschen: Wie würde er sich entscheiden, „freie“ Zeit (genauer gesagt: seine Freiheit) zu nutzen, wenn er sie hätte? Angenommen, er befände sich auf den Inseln der Seligen (wie man so sagt), was würde er tun? Oder wäre er für einen solchen Segen nicht geeignet?

„Wenn ich einmal reich wär“, singt Tevje in Anatevka [oder: Der Fiedler auf dem Dach], dann hätte er endlich Muße und würde seine Zeit damit verbringen, über Fragen des Gesetzes zu streiten (das behauptet er zumindest). Dies ist ein bewundernswertes jüdisches Verständnis. Ein Christ könnte eher fragen: Wenn ich im Himmel wäre, was würde ich tun? Denn man könnte den Himmel mit der vollsten Verwirklichung dessen vergleichen, was ein Christ in seiner Freizeit wählen sollte. Requiescat in pace: möge er, so wie Gott es will, seinen ewigen Urlaub genießen.

Daraus folgt, dass der Urlaub, soweit es uns möglich ist, eine Vorwegnahme und Teilnahme am Himmel sein sollte. Daraus ergeben sich wiederum viele Dinge. Wer zum Beispiel denkt, dass Urlaub eine Zeit ist, in der man sich nicht um Messe oder Beichte kümmern muss, hat sich genau getäuscht. Ein Urlaub ist vielmehr eine Zeit, in der eine Familie die Freiheit hat, zu den Sakramenten zu gehen und mühelos gemeinsam zu beten. Wichtig ist, dass es sich um eine Zeit handelt, in der Kinder ihre Eltern leicht beim Beten sehen können.

Wir haben die schlechte Angewohnheit, uns an den Notwendigkeiten zu erfreuen und der Freizeit zu entfliehen. So ist es mit dem Gebet, und so ist es auch mit der „Schule“, die sich kurioserweise vom griechischen Wort für Freizeit ableitet (σχολή) – mit der Begründung, dass es für junge Menschen gut sei, Zeit zu haben, die frei ist von landwirtschaftlicher Arbeit und Handwerk, damit sie sich dem Wissen, der Kultur und der Religion widmen können.

Wenn keine knechtische Arbeit ansteht, erscheint die Schule belastend, nicht länger ein Zeichen von Freiheit und ein Privileg. Die Wahrheit ist, dass beides sehr wichtig ist, aber nur an der richtigen Stelle. Und richtig gelebte Muße setzt alles andere an die richtige Stelle.

  • Bloße Ruhe [engl. rest] ist wie Schlaf, eine Abwesenheit von Anstrengung, die die Wiederherstellung unserer Handlungsfähigkeit ermöglicht.
  • Entspannung [engl. relaxation] ist das Gegenteil von Anspannung: Zeiten abwechselnder extremer Anspannung und völliger Entspannung sind von unschätzbarem Wert für Wachstum und Kreativität.
  • Rekreation [engl. recreation] ist eine neue und wiederholte Schöpfung, keine Abwesenheit von Aktivität, sondern Aktivitäten einer anderen Art, die neue Handlungsfähigkeiten aufbauen.
  • Erneuerung [engl. rejuvenation] bedeutet, wieder jung zu werden, typischerweise indem wir das tun, was wir getan haben, als wir jung waren, um wieder Optimismus zu gewinnen und die Dinge neu zu sehen.

All das sind göttliche Dinge, und der Urlaub eines Christen sollte sie alle einschließen. (Beachten Sie, dass „Unterhaltung“ nicht auf der Liste steht: sie wird nur dann einbezogen, wenn sie mit einem der anderen Punkte verbunden ist).

Schon jetzt kann man sehen, dass jeder Urlaub geplant werden muss, auch zwei Wochen „Freizeit“ am Strand, um nicht noch mehr falsche Notwendigkeiten zu schaffen, aber auch, um keine Zeit zu verschwenden, um die Zeit so fruchtbar wie möglich zu machen. Ehemann und Ehefrau sollten den Urlaub gemeinsam planen, und Familien sollten „Räte“ haben, sodass alle den Plan verstehen und für ein gemeinsames Wohl zusammenarbeiten. Wenigstens muss man Listen anfertigen und eine Art Tagesplan befolgen: Es muss eine Disziplin geben, aber nichts Belastendes.

Kein christlicher Urlaub ist vollständig ohne das Kreuz, diese Würze der Heiligung. Selten wird das Kreuz so etwas wie eine Begegnung mit „The Misfit“ [etwa: „Der Sonderling“] sein (in dem von Flannery O’Connor beschriebenen Urlaub) – obwohl es manchmal doch so ist. Typischerweise begegnet man ihm bei einer Magen-Darm-Grippe, einer Autopanne, einem Diebstahl oder vielleicht auch nur bei einem schlechten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wenn Gott uns ein unerwartetes Kreuz schenkt, können Eltern ein Beispiel geben, indem sie einen spezifisch christlichen Einfallsreichtum zeigen, das Kreuz mit guter Laune umarmen und zuversichtlich abwarten, welche Gnaden daraus fließen werden.

Dieser Beitrag, verfasst von Dr. Michael Pakaluk, erschien zuerst am 21. Juli 2020 bei The Catholic Thing. Die deutsche Übersetzung wurde von Martin Bürger exklusiv für „Katholisches Echo“ mit freundlicher Genehmigung von The Catholic Thing angefertigt.


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