Orthodoxe Christen begehen am Freitag „Tag der Trauer“ um die Hagia Sophia

Christliches Mosaik in der Hagia Sophia
Christliches Mosaik in der Hagia Sophia (Foto: Unsplash)

Die türkische Regierung hatte am 10. Juli angekündigt, die berühmte ehemalige Kathedrale Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee umzuwandeln.

New York / Istanbul (kathecho.de) – Die griechisch-orthodoxe Eparchie von Amerika hat für Freitag zu einem „Tag der Trauer und der offenkundigen Sorge“ aufgerufen. Die türkische Regierung hatte am 10. Juli angekündigt, die berühmte ehemalige Kathedrale Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee umzuwandeln. „Wir bitten darum, dass jede Kirche an diesem Tag ihre Glocken mit Wehklagen läuten lässt“, schrieben die Bischöfe der Eparchie. „Wir rufen dazu auf, dass jede Fahne jeder Art, die auf dem Kirchengelände gehisst wird, an diesem Tag auf Halbmast gesenkt wird. Und wir fordern jede Kirche in unserer Heiligen Erzdiözese auf, am Abend dieses Tages den Akathistos zu singen, so wie wir ihn am Fünften Freitag des Großen und Heiligen Fastens singen.

Die US-amerikanische Bischofskonferenz unterstützte das Vorhaben der orthodoxen Christen via Twitter. „Die [griechisch-orthodoxe Eparchie von Amerika] lädt alle Christen und Menschen guten Willens ein, am 24. Juli einen Tag der Trauer um [die Hagia Sophia] zu begehen. Sie hat darum gebeten, dass jede Kirche ihre Glocken läuten lässt, jede Fahne auf Halbmast gesetzt wird und dass am Abend der Akathistos gesungen oder der Rosenkranz gebetet wird“, schrieben die Bischöfe.

Die Hagia Sophia wurde im sechsten Jahrhundert als christliche Kathedrale in der Hauptstadt des oströmischen Reiches – Konstantinopel bzw. Byzanz – erbaut. Nach der Eroberung von Konstantinopel durch muslimische Truppen im Jahr 1453 wurde die Kathedrale zur Moschee. Die türkische Regierung unter Kemal Atatürk beschloss 1934, aus der Moschee ein Museum zu machen. Im Juli 2020 hob die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan diese Entscheidung auf. Ab Freitag wird die Hagia Sophia wieder zu einer muslimischen Gebetsstätte, wobei das Gebäude nach Regierungsangaben außerhalb der Gebetszeiten immer noch von Touristen besucht werden darf.

Der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Amerika, Elpidophoros, veröffentlichte mit Kardinal Timothy Dolan, dem römisch-katholischen Erzbischof von New York, eine gemeinsame Stellungnahme nach der Ankündigung der Türkei, die Hagia Sophia als Moschee zu benutzen. Die beiden Erzbischöfe verurteilten die Entscheidung und wiesen darauf hin, dass Gebäude sei „fast ein Jahrtausend lang nicht nur die größte Kirche der Welt, sondern auch das größte Bauwerk“ gewesen. „Ihr Zweck war es, ein Ort der christlichen Verehrung schlechthin zu sein. Als das römische Reich durch Eroberung zu einem Ende kam und die Große Kirche in eine Moschee umgewandelt wurde, war dies eine Ära, in der menschliche Ereignisse durch Gewalt vorangetrieben wurden. Aber das ist nicht die Art und Weise, wie wir heute leben.“ Man wolle den Status quo der Hagia Sophia erhalten, so Elpidophoros und Dolan, als „ein Symbol der Begegnung, der Geschichte, des spirituellen Strebens und der menschlichen Errungenschaften höchsten Ranges, das den einen Gott verherrlicht, der uns alle zu Schwestern und Brüdern einer einzigen Menschheitsfamilie gemacht hat.“

In Deutschland hatte der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am 10. Juli mitgeteilt: „Die 1934 erfolgte Umwidmung in ein Museum hatte zu einer bis heute tragfähigen Befriedung geführt: Gläubige der beiden großen Religionen, aber auch säkular gestimmte Türken konnten sich in je eigener Weise auf dieses großartige Gebäude beziehen und sich mit ihm identifizieren. Der Beschluss des Gerichts und die aktuelle Verlautbarung des türkischen Präsidenten bergen demgegenüber die Gefahr in sich, dass die Hagia Sophia künftig wieder als Symbol religiösen ‚Raumgewinns‘ gedeutet werden könnte. Wir werben deshalb für eine politische Entscheidung, die die Einheit des Landes und das Gefühl der Zusammengehörigkeit von Muslimen und Christen stärkt statt Bitterkeit zu schüren und Fliehkräfte zu begünstigen.“


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