Bedarfsorientierung oder Theozentrik? Zur Nachfrage nach der „Alten Messe“

Pontifikalamt im Juni 2020 bei der Petrusbruderschaft
Pontifikalamt im Juni 2020 bei der Petrusbruderschaft (Foto: FSSP Wigratzbad)

Diözesanbischöfe auf der ganzen Welt waren gebeten worden, bis zum 31. Juli eine Umfrage zur traditionellen Liturgie zu beantworten.

Vatikan (kathecho.de) – Anfang März hat die dafür zuständige Glaubenskongregation eine neun Fragestellungen umfassende Evaluation unter allen Diözesanbischöfen zur Umsetzung des Alt-Ritus-Motuproprio Summorum Pontificum initiiert. Der 31. Juli 2020 ist der Stichtag, zu dem die Antworten retourniert sein müssen.

Es ist bemerkenswert, vielleicht aber auch nur einfach dem Sommerloch zu verdanken, welches sogar von Covid-19 nicht völlig ausgefüllt werden kann, dass sogar die Süddeutsche Zeitung sich dem Thema gewidmet hat.

Die Fragen, welche die Glaubenskongregation an die Bischöfe verschickt hat, habe ich an anderer Stelle in zwei Teilen detailliert analysiert und eingeordnet.

Gibt es einen Bedarf von Gottesdiensten?

Infolge der Corona-Krise fielen weithin öffentliche Gottesdienste aus. Wo sie wieder aufgenommen werden, unterliegen sie weiterhin zahlenmäßigen Beschränkungen und anderen Restriktionen. Doch auch angesichts von immer niedrigeren prozentualen Niveaus des sonntäglichen Messbesuchs stellt sich die grundsätzliche Frage nach dem Bedarf an der Liturgie der Kirche.

Ist sie ein Bedürfnis von Gläubigen, von einer Nachfrage abhängig oder doch vorrangig ein Dienst vor Gott, Ausdruck der Transzendenz und Theozentrik des Kultes?

Freilich, die stille Messe mit einem Ministranten lässt sich bald feiern, jede höhere Stufe der Feierlichkeit setzt eine gewisse Personaldecke voraus, damit die Liturgie würdig zelebriert werden kann.

Es stimmt, dass die Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch Paul VI. den Beginn der Eucharistie von der Versammlung des Gottesvolkes abhängig macht, während nach dem tridentinischen Ritus servandus die Messe beginnt, sobald der Priester mit den heiligen Gewändern angetan an den Altar tritt.

Und doch, die Süddeutsche betont insgesamt den konstant niedrigen Besuch der Alten Messe und eine sinkende Nachfrage seit 2007. Allerdings wird auch der durchschnittliche Novus Ordo immer schwächer besucht. Würden die deutschen (und andere) Bischöfe dort die in freiem Fall befindliche zahlenmäßige Teilnahme derart in den Vordergrund stellen und von Bedarf reden?

Schwacher Ansatz im Motuproprio selbst

Freilich: Sowohl das Motuproprio selbst als auch jetzt die Umfrage dazu sprechen von Bedarf, definieren ihn allerdings nicht über ein Minimum von Gläubigen, das nicht unterschritten werden darf.

Es geht auch nicht um eine Ideologisierung oder Instrumentalisierung der liturgischen Überlieferung, sondern um ein bereits in Summorum Pontificum selbst angelegtes Problem. Die traditionelle Liturgie wird darin gewissermaßen isoliert betrachtet bzw. aus ihrem theologischen Kontext und dem Ganzen der Glaubenspraxis ausgegliedert. Praktisch bedeutet dies, dass vielerorts Priester der Petrusbruderschaft oder anderer altritueller Gemeinschaften lediglich anreisen, um die Messe zu lesen und dann wieder weg sind. Das ist ein wesentlicher Grund für schwache Entfaltungsmöglichkeiten und Rückgänge und erklärt, warum das Bild im Umfeld der Piusbruderschaft häufig günstiger ausschaut. Deren Priorate können ein ganzheitlicheres Quasi-Pfarrleben bieten, und der Eindruck wird vermieden, die überlieferte Liturgie sei nostalgische Vorliebe oder Fremdkörper im Kontrast zu dominanten Phänomenen wie dem Synodalen Weg und ähnlichen Ambitionen.

Keine Frage von Extrempositionen, aber ganzheitlicher Kontexte und klarer Akzente

Das hat wenig mit einer Distanzierung oder einer Verhärtung theologischer Positionen zu tun. Außerdem muss man die religiöse Landschaft insgesamt betrachten und darf sich nicht nur auf die katholische Kirche beschränken. Wir stehen in einer Zeitströmung, möglicherweise in einer Epochenwende, in der nur noch pointierte Inhalte und Überzeugungen religiöses Engagement und eine aktive Gottesdienstpraxis des Einzelnen in Gemeinschaft zu mobilisieren vermögen. Das betrifft alle Richtungen und Strömungen von Weltanschauungen, Religionen und Konfessionen und ist nicht beschränkt auf einen blühenden traditionellen Katholizismus. Überall, wo klare Akzente gesetzt werden, sind ähnliche Phänomene zu beobachten. Gewohnheitsmäßige Bindungen tragen nicht mehr. Durchschnitt und eine Vernachlässigung von Inhalten zieht nicht an. Die Art der Akzente und die Ausrichtung der Inhalte sind jedoch letztlich zweitrangig.

Vor diesem Horizont ist das Erfolgsrezept der meisten Bischöfe oder Seminarregenten der letzten Jahrzehnte zu hinterfragen, ein Priester in der Pfarrseelsorge müsse vor allem ein Mann des Ausgleichs und der Mitte sein. Dieses Denken in den Kategorien der Mitte und Masse ist eben nicht Erfolgsrezept, sondern Auslaufmodell.


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